“Djemaa el-Fna, Versammlungsort der Toten, ein weitläufiger Platz von der Farbe getrockneten Bluts. Dort herrscht Trubel, herrscht immer Trubel. Aus der Umgebung sind, wie sie das schon seit Jahrhunderten tun, Berber gekommen. Und der der Fremde, der mit jeder Sekunde fremder wird, darf auch dabei sein, ein bleicher Zuschauer auf einem orientalischen Jahrmarkt, ein Spaßmacher mit einem Guckkasten, Teil einer Minderheit, die man nicht belästigt.
Es sieht aus, als sei es schon immer so gewesen: Das Gebäude der Busgesellschaft, das Postamt, die Medina umklammern den Platz, und auf diesem die Zauberer, die Heiler, die Musikanten, die Schlangenbeschwörer, die kefta-Verkäufer, die Geschichtenerzähler. Darüber steht brennend die Sonne, doch das bedeutet nichts. Dies ist der große Tag, der Tag an dem sie nach Marrakesch gekommen sind, in die Wunderstadt. Araber und Berber bevölkern den Platz, eine lebende Seite aus einem orientalischen Buch, die Welt, von der man dachte, sie existiere nicht mehr.
Aber sie existiert noch.”
Aus Cees Nootebooms “In der langsamsten Uhr der Welt – Reisen in Afrika” (Suhrkamp).

